Hintergründe: Das “Steele-Dossier“

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Beteiligte Akteure:

Christopher Steele, Bruce Ohr, Nellie Ohr, Glenn Simpson, Fusion GPS, DNC

Über Christopher Steele

Christopher David Steele arbeitete 20 Jahre beim britischen Geheimdienst MI6. In der Berichterstattung wird fast ausnahmslos betont, er sei “ehemaliger“ Geheimdienstler (ob es sowas gibt, sei dahingestellt), da er 2009 eine in London ansässige Firma für Geschäftsanalytik mitbegründet hat. Seine Agententätigkeit brachte ihn von 1990 bis 1993 nach Russland an die britische Botschaft in Moskau. Nach Aufträgen in Paris und Afghanistan führte er von 2006 bis 2009 die Russland-Abteilung des MI6. Ende 2016 lieferte er dem FBI ein aus 17 von ihm verfassten Memos bestehendes Dossier über angebliche Verbindungen der Trump-Wahlkampagne mit Russland und ließ Informationen über den Inhalt wenig später auch an ausgewählte Medienhäuser durchsickern, was zur Aufkündigung der Zusammenarbeit von Seiten des FBI Ende Oktober 2016 führte. Der erzeugte Presserrummel, zuvorderst die Veröffentlichung des Dossiers durch Buzz Feed im Januar 2017, mündete letztlich im Mai 2017 in der Einberufung des Sonderermittlers Robert Mueller.

Über Bruce Ohr

Bruce Genesoke Ohr machte 1987 seinen Abschluss an der Harvard Law School und war bereits 1991 stellvertretender Bundesstaatsanwalt für den Südlichen Gerichtsbezirk New York, eine Position, welche er bis 1999 ausfüllte. Im Anschluss arbeitete er für das Justizministerium und ermittelte gegen Syndikate in Russland und Osteuropa. 2010 wurde er Direktor der Abteilung “Organisiertes Verbrechen und Drogen“. Zwischen 2014 und 2016 war er an dem Versuch beteiligt, Wladimir Putin nahestehende russische Oligarchen als Informanten zu gewinnen und hatte in diesem Zusammenhang Kontakte zu Christopher Steele. Zum Zeitpunkt seiner Degradierung Ende 2017, aufgrund der bekannt gewordenen Treffen mit Christopher Steele und dem Gründer von Fusion GPS, Glenn Simpson, war er in stellvertretender Position unter dem US-Justizminister Nr. 4 in der Hierarchie des Ministeriums.

Über Nellie Ohr

Nellie Ohr ist die Gattin von Bruce Ohr. Im Jahre 2015 wurde sie von Fusion GPS als private Ermittlerin angestellt und sammelte Informationen über die Trump-Wahlkampagne, welche sie 2016 mittels eines USB-Sticks mit dem Auftrag ihrem Gatten an die Hand gab, ihre Funde an das FBI weiterzuleiten. Unlängst freigegebene Gesprächsprotokolle einer geschlossenen Anhörung vom Oktober 2018 vor dem Geheimdienstausschuss des US-Kongresses förderten zutage, dass Frau Ohr von 2008 bis 2014 für eine Unterabteilung der CIA gearbeitet hatte.

Über Glenn Simpson und Fusion GPS

Glenn Robert Simpson arbeitete als Journalist, zuletzt bis 2009 für das Wall Street Journal und war Mitbegründer der investigativen Firma Fusion GPS im Jahre 2010. Von September 2015 bis Mai 2016 arbeitete er im Auftrag der konservativen Medienseite Washington Free Beacon an der Zusammenstellung von Informationen über verschiedene Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, darunter auch Donald Trump. Als dieser zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner bestimmt wurde, zog sich Washington Free Beacon zurück. Im April 2016 wurde Fusion GPS von Seiten der Hillary Clinton-Kampagne (über deren Anwaltsfirma Perkins Coie) und des DNC (Democratic National Committee, die Parteiorganisation der Demokraten) angeheuert, um Informationen über Donald Trump zusammenzustellen. Im Juni 2016 beauftragte Fusion GPS Christopher Steele mit Nachforschungen in Bezug auf angebliche Aktivitäten Trumps in Russland. Nach der Wahl stellten der DNC und Perkins Coie die Finanzierung ein und Glenn Simpson finanzierte die Nachforschungen von Herrn Steele aus eigener Tasche weiter.

Das “Steele-Dossier“ (auch “Trump-Dossier“)

Ziel des Dossiers war es, die geschäftlichen und sonstigen Verbindungen aus Donald Trumps Umfeld nach Russland zu beleuchten. Die Hauptrolle spielt in diesem Zusammenhang die Firma Fusion GPS und deren Mitbegründer Glenn Simpson, welcher den ehemaligen (?) britischen Geheimdienstler Christopher Steele mit entsprechenden Nachforschungen beauftragte.

Von Juni bis Dezember 2016 sammelte Herr Steele alle verfügbaren Informationen aus ihm zugänglichen Quellen und verfasste insgesamt 17 Memos, welche letztlich zu einem Dossier zusammengefasst wurden. Dieses diente den politischen Gegnern Donald Trumps als Grundlage für eine mediale Schmierenkampagne sowie als Grundlage für Abhöraktionen der Trump-Kampagne.

Im September 2016 traf sich Christopher Steele vertraulich mit verschiedenen Reportern, unter anderem von der New York Times und der Washington Post. Er gab sein Dossier an britische und US-amerikanische Geheimdienstmitarbeiter weiter und schürte Gerüchte über den Inhalt bei verschiedenen Medienvertretern.

Am 10. Januar 2017 veröffentlichte Buzz Feed das vollständige Dossier mit dem Hinweis auf einen “ehemaligen britischen Geheimdienstmitarbeiter“, ohne jedoch den Namen zu nennen. Im Artikel wurde betont, dass die dort angebrachten Anschuldigungen unbestätigt seien. Nur einen Tag später, am 11. Januar 2017, lies das Wall Street Journal die Katze aus dem Sack und nannte Christopher Steele als Verfasser des Dossiers.

Der Inhalt des Dossiers

Laut dem Dossier habe Russland Donald Trump “seit mindestens 5 Jahren“ gehegt und unterstützt und das von Wladimir Putin gutgeheißene Ziel sei die “Spaltung der westlichen Allianz“ gewesen. Herr Trump habe zwar auf einen Geschäftsabschluss in Russland verzichtet, jedoch Informationen aus dem Kreml über seine politischen Gegner erhalten. Bei einer Reise nach Russland sei Donald Trump vom FSB durch Aufzeichnungen “pervertierter sexueller Handlungen“ (und die berüchtigte “goldene Dusche“) kompromittiert worden und folglich nachhaltig erpressbar.

In den Einzelheiten wird dann auf “Quelle A“, “Quelle B“, C, D, … verwiesen oder es heißt “ein XYZ nahestehender Kremlmitarbeiter“, “ein Kreml-Insider“ und dergleichen, was selbstverständlich ausschließlich dem Schutz der “Quellen“ dienen soll. Donald Trump wird, aufgrund seiner vermeintlichen Verbindungen mit Russland, indirekt für die Veröffentlichung von Hillary Clintons eMails durch Wikileaks verantwortlich gemacht. Sein Wahlkampforganisator Paul Manafort habe den Wahlkampfmitarbeiter Carter Page als Mittelsmann zu den Russen eingesetzt. Weiter heißt es, dass Donald Trump an “Sexparties“ teilgenommen habe und alle Zeugen entweder bestochen oder gezwungen worden seien, “zu verschwinden“.

Ein wesentlicher Teil der Memos beschäftigt sich mit vermeintlichen Einmischungen der Russen mit Wissen und Billigung Wladimir Putins in die Präsidentschaftswahlen 2016. Die Clinton-eMails seien von den Russen gehackt und an Wikileaks gegeben worden (was mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch ist, da wohl der DNC-Mitarbeiter Seth Rich die eMails an Wikileaks weitergegeben hat, wofür er mit seinem Leben bezahlte) und die Auswirkungen der Veröffentlichung seien nicht nachhaltig genug gewesen, weshalb der russische FSB die Trump-Kampagne mit weiteren “Leaks“ über Hillary Clinton unterstützt habe.

Usw.

Unglaubwürdig

Das Dossier und dessen Inhalt wurde von Donald Trump regelmäßig als “Fake News“ gebrandmarkt und inzwischen wurde bekannt, dass Christopher Steele bei einer Befragung hinter verschlossenen Türen am 13. Juli 2018 in London, von welcher Teile am 14. März 2019 freigegeben wurden, angegeben hatte, er habe auch offen verfügbare Informationen aus dem Internet in seinen Memos festgehalten, wobei er unter anderem auf die Netzseite ireport.com zurückgegriffen habe. Die Seite ist vom Netz, doch heißt auf einer archivierten Seite:

Bei CNN leben wir für Nachrichten. Wir lieben es, darüber zu reden. Und wir wissen, dass eine große Menge mehr daran ist, als das, was Sie im Fernsehen sehen oder auf Ihrer Lieblingsnetzseite lesen. Daher haben wir eine unabhängige Welt ins Leben gerufen, in welcher Sie, die iReport.com-Gemeinschaft, Ihre Geschichten erzählen, welche wir gewöhnlich nicht zu sehen bekommen. Und die fesselndsten, wichtigsten und dringendsten mögen sich auf CNN wiederfinden.

Die Seite wurde demnach von CNN ins Leben gerufen, jedoch inzwischen vom Netz genommen. Die Autoren waren keine Journalisten, sondern gewöhnliche Menschen. Und Herr Steele hat behauptet, dass ihm dieser Umstand nicht klar gewesen sei (“ehemaliger“ Geheimdienstler …). So habe er auch die dort kolportierten “Geschichten“ als Quelle für seine Memos herangezogen.

Grundlage für Abhöranordnungen

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass das Dossier auf Hörensagen und unverifizierten Gerüchten beruht. Dennoch diente es nicht nur maßgeblich der medialen Schmierenkampagne gegen Donald Trump und seiner Wahlkampfmannschaft, sondern zudem auch als Grundlage für Abhöranordnungen und Durchsuchungsbefehle durch das geheime FISC (Foreign Intelligence Surveillance Court). An diesem Gericht für die “Überwachung der Auslandsgeheimdienste“ werden gemäß des “Gesetzes zur Überwachung in der Auslandsaufklärung“ (FISA) Anträge für das Abhören von ausländischen Agenten eingereicht, wobei auch US-Bürger als solche angesehen werden können.

Die vorgenannten Hintergründe geben einen Rahmen für die Freigabe der bisher nur geschwärzt vorliegenden FISA-Anordnungen gegen den ehemaligen Trump-Mitarbeiter Carter Page und andere. Die Entscheidung um die Freigabe und den Zeitpunkt liegt bei Justizminister Barr, denn Donald Trump hatte bereits im September 2018 die Freigabe angeordnet.

Da diese jedoch als politisch motiviert ausgelegt werden könnte, solange die “Russland-Ermittlungen“ noch nicht abgeschlossen sind und Robert Mueller seinen Bericht noch nicht veröffentlicht hat, ist erst im Anschluss an den Mueller-Bericht damit zu rechnen. Der in den dann folgenden Veröffentlichungen enthaltene Sprengstoff soll enorm sein (weitere Hintergründe hierzu folgen zeitnah) und sobald der erste Stein gefallen ist, wird der Einsturz des Kartenhauses wohl kaum noch aufzuhalten sein.

Alles läuft nach Plan …

Der Nachtwächter

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